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„Als würden deine Hände mit dem Ton auf der Drehscheibe tanzen.“

Dieser Gedanke kam mir in den Sinn als mir Hanne Mi Sauge, eine norwegische Keramikerin, die seit vielen Jahren auf Zakinthos lebt und dort arbeitet, zeigte wie ich auf der Drehscheibe richtig mit Ton arbeiten kann. Zwischen deinen Händen und dem Ton entsteht eine Symbiose.


Handgemachte Schale

Den Ton haben wir zuerst zu kleinen voluminösen Zapfen geformt. Ich beobachte genau und es sieht leichter aus als es ist. Hanne Mi nimmt den Ton in ihre Hand und wirft ihn mit Schwung ins Zentrum der Drehscheibe. Mit ihren Handballen klopft sie ihn zu einer halb runden Form und feuchtet die Drehscheibe mit etwas Wasser an. Der Motor läuft und der rechte Fuss steht am Pedal. Hanne Mi stützt ihre Unterarme am Außenrand der Drehscheibe ab und umschließt mit beiden Händen den Ton. Die linke Hand liegt über der rechten und dann formt sie langsam mit geschultem Auge und sanften Druck den Ton. Die Bewegungen sind langsam und elegant. Es kam mir wirklich wie ein Tanz vor. Alles ist fokussiert auf das Tanzpaar in der Mitte. Sprich der Ton mit seiner annehmenden Gestalt.



Langsam bewegen sich ihre Hände nach oben und formen so eine Art „Zipfelpyramide“. Dann drückt sie vorsichtig mit ihren zwei Daumen die Spitze der Pyramide wieder nach unten - der Ton ist noch immer mit den restlichen Fingern umschlossen. Ihre Hände sind dabei immer angefeuchtet - das ist wichtig wenn man mit Ton arbeitet. Die Bewegungen wirken zart obwohl hier auch mit etwas Druck gearbeitet wird. Ihr Blick ist fokussiert auf den Ton.


Bei ihrer Arbeit steht nicht das Ergebnis im Vordergrund sondern der Prozess dahinter. Es ist so wie in der Malerei. Schritt für Schritt erschaffen wir das Bild, mit all seinen Formen und Farben. Oft verwenden wir verschiedene Schichten, fertigen Skizzen an und während des Prozesses erschaffen wir wieder Neues. Das ist das Spannende in der Kunst. Vielleicht könnte man auch sagen, es ist wie in einer Beziehung. Um gemeinsam zu wachsen und etwas Aufzubauen braucht es Zeit und Geduld sowie Vertrauen in den Prozess.



Ich als Kunstschaffende und derzeit hauptsächlich in der Malerei tätig - arbeite fast nur mit meiner rechten Hand und es war anfangs für mich sehr ungewohnt meine linke Hand zu integrieren und mit beiden zu arbeiten. Das Arbeiten mit Ton hat eine unglaublich erdende Wirkung auf mich.


An meinem ersten Tag bei Hanne Mi gestaltete ich unterschiedlich große Tassen. Nach der Drehscheibe arbeiteten wir zusammen an einem großen Holztisch, worauf verschiedene Eimer standen - mit wundervollen Farben, die nur darauf warteten, dass man sie mit einem Pinsel auf die neugestalteten Formen strich.


Farbeimer für die Gestaltung
Fertige Schalen in Türkis, Grün und Blau

„Go with the Flow.“ - Das sind auch die Worte der norwegischen Keramikerin in ihrer Arbeit.

Die Stunden vergingen wie im Flug und dort zu arbeiten war einfach schön mit dem Blick auf die alten Olivenhaine rundherum und einer kleinen Kaffeepause mit Hanne Mi’s selbstgestaltetem Geschirr. Sie selbst spricht fließend Griechisch, da sie seit vielen Jahren hier auf der Insel mit ihrer Familie lebt. Unterhalten habe ich mich mit ihr auf Englisch und es ist für mich immer eine große Freude Menschen auf meinen Reisen kennenzulernen und Neues zu lernen. Ich finde, dass der Austausch mit Menschen meist sehr inspirierend und wichtig ist um auch in seiner eigenen Persönlichkeit und Kunst zu wachsen.


Fasziniert vom Arbeiten an der Drehscheibe, besuchte ich erneut wieder einen Workshop dort und diesmal waren wir zu dritt. Debbie, eine taffe englische Dame mit einem absolut junggebliebenen Herzen und großartigem Humor war auch mit dabei.


Meine ersten selbstgemachten Kaffee- und Teetassen.

Mein Fokus lag diesmal auf Schalen und ich hatte schon viel besser den Dreh heraus.

Ich arbeitete draußen unter einem alten Olivenbaum im Hof. Der Platz war wunderschön und ich liebe es ja generell, wenn ich die Möglichkeit habe auch im Freien kreativ zu werden. Dieses Mal habe ich mit mehreren Farbschichten in Grün, Blau und Türkis gearbeitet, damit die Farben nicht zu sehr transparent auf dem gestalteten Objekt wirken. Seit kurzem habe ich das neue Geschirr bei mir daheim und es ist ein wundervolles Gefühl, aus der eigenen Kaffeetasse zu trinken!


Sollte es euch auch einmal auf die Insel Zakinthos ziehen und ihr möchtet eure eigene Kreation aus Ton machen, dann kann ich euch diesen Ort zum kreativen Schaffen sehr empfehlen. Hanne Mi bietet sowohl Gruppen-Workshops als auch Privatstunden auf Englisch in ihrem Atelier in Vasilikos an.



Ich wünsche euch noch einen wundervollen Samstag!


Alles Liebe,

eure Laura
















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